Lagom – Willkommen skandinavische Lebensart

Im August schrieb „Die Welt“, Lagom sei das neue Hygge. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich das Wort Hygge schon nicht mehr hören. Auf einmal war alles hygge und so manch einer der das Wort benutzte, wusste nicht einmal wofür es steht. Pauschal wurde es mit gemütlich übersetzt und auf Duftlichter, Kissen und Papier gedruckt. Doch mit der Bedeutung im Herkunftsland des hyggeligen Lebens, haben die wenigsten sich beschäftigt. Und jetzt kommt auch noch Lagom.

Schon die Mutter von Michl aus Lönneberga antwortete auf die Frage des Vaters, wie sie die Köttbullar zubereite: „Lagom stora, lagom runda och lagom bruna“ (So groß, rund und braun, wie sie sein müssen).

Das schedische Wort Lagom (gewöhnlich „laghum“ geschrieben) stammt vom Wort lag (Gesetz; rechte Ordnung), wobei es in seiner Bedeutung nichts mit dem rechtlichen Gesetzt zu tun haben muss. Es bedeuted vielmehr „passend“, „weder zu wenig noch zu viel“ und soll die schwedische Lebensart widerspiegeln.

Aber was hat es mit dem schwedischen Lagom auf sich und was hat es mit der skandinavischen Wohlfühlart zu tun? Per Zufall stieß ich auf das gleichnamige Buch von Linnea Dunne, dass im Callwey Verlag erschienen ist. „Lagom Glücklich leben in Balance“ erklärt auf tolle Art und Weise, dass es um emotionales Wohlbefinden geht, um Zusammengehörigkeit und gemeinsame Verantwortung. Aber das Wichtigste für mich ist die Aussage über das wahre nachhaltige Glück.

Erst letztens unterhielt ich mich mit einer Freundin über Glück und muss immer wieder feststellen, wie unterschiedlich die Auffassungen und Empfindungen im Zusammenhang mit diesem Gefühl sind. Meine Glücksmomente sind die kleinen und haben, wenn ich genau darüber nachdenke, weder mit Geld noch anderen materiellen Werten zu tun. Wenn die Kinder lachen über die Wiese laufen oder gemeinsam eine Schneeballschlacht machen, dann könnte ich weinen vor Glück. Wenn ich anderen eine Freude machen oder ihnen helfen kann und sie mich dankbar in den Arm nehmen, das ist Glück. Wenn unsere Nachbarn, beide über 80, mit selbst gebackenen Plätzchen vor der Tür stehen, weil wir den Schnee vor ihrem Haus gleich mit beräumt haben, auch das ist für mich Glück. Und wenn ich genau überlege, mehr brauche ich eigentlich nicht.

Genau das ist Lagom – zufrieden sein, mit dem was man hat – genau richtig, nicht mehr und nicht weniger.

In dem Buch beschreibt die gebürtige Schwedin, das skandinavische Leben – die Gemeinschaft, die Balance zwischen Beruf- und Privatleben und die Liebe zu schönem Interior und gutem Essen.

Auch wenn ich finde, dass wir nicht immer allen Trends hinterher laufen müssen und uns sehr gern auf unsere eigene Art zu Leben besinnen dürfen, kann es nicht schaden, sich ein wenig von der Leichtigkeiten und Bescheidenheid der Skandinavier abzuschauen.

MEINE GANZ PERSÖNLICHEN LAGOM TIPPS

1. Lade Freunde zu Dir ein
Nicht ist schöner als zu einer kleinen Kaffee-Auszeit (in Schweden Fika) zusammen zu kommen, oder gemeinsam zu kochen, zu quatschen, zu lachen und auch zu diskutieren. Die gemeinsame Zeit die wir einander schenken, ist das kostbarste Geschenk.

2. Entrümpele dein Leben
Nein, du sollst die nicht von Liebgewonnenen trennen. Aber manchmal tut es gut, mal richtig auszumisten – sei es der Kleiderschrank, oder die Wohnung oder der Papierstapel. Es tut so gut, wenn man die Lieblingsstücke im Schrank wieder sieht, wenn die Wohnung wieder Luft bekommt und man besondere Stücke richtig in Szene setzen kann, wenn man sich nur mit den Dingen umgibt, die einem wirklich etwas bedeuten. Und wenn man dann mit den aussortierten Dingen anderen noch eine Freude bereiten kann, stellt sich ganz sicher das Glücksgefühl ein.

3. Zähle bis zehn
Ein tolle Kampagne in Schweden für mehr Nachhaltigkeit, die wir unbedingt übernehmen sollten. „Zähl bis zehn“ bevor du dich entscheidest, etwas Neues zu kaufen oder etwas weg zu werfen. Wahrscheinlich brauchst du das Stück, dass du gerade in den Händen hältst gar nicht wirklich, oder du kannst das alte Stück noch wunderbar reparieren und weiter verwenden.

4. Mehr Geben und Nehmen
Anderen zu Helfen ist eine wunderbares Gefühl und zahlt sich in vielerlei Hinsicht aus. Wir machen nicht nur andere Glücklich, wir bekommen es auch vielfach zurück. Einfach mal einen Kuchen backen und den Freunden vorbei bringen, dem Nachbarn helfen oder auch der Krankenschwester im Krankenhaus Danke sagen – wenn wir alle mehr für andere tun, tun auch ganz viele etwas für uns.

5. Nimm dir mehr Zeit für dich
Es beginnt mit dem pünktlichen Feierabend. Wenn Schluss ist, ist Schluss – was gibt es, was man morgen nicht auch noch genau so erledigen kann. Es geht nicht um das Aufschieben von Dingen, es geht darum sich seiner Zeit bewusst zu sein. Dein Feierabend gehört dir und deinen Lieben. Und damit du genug Zeit hast, um die Dinge zu tun, die dich glücklich machen, solltest du auf deine freie Zeit pochen. Tobe mit den Kindern durch den Park, lege dich in die warme Badewanne oder lies ein schönes Buch und du wirst sehen, dass die Arbeit am nächsten Tag viel produktiver läuft.

 

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