Mein Leben mit der Neurodermitis und was mir hilft

 

Das Wetter änders sich. Ich merke es schon, während draußen noch zehn Grad Minus sind – nicht weil ich wetterfühlig bin, nein ich habe Neurodermitis. Meine Haut ist seit Tagen besonders trocken und ich reagiere empfindlich auf Materialien und auch auf Berührung. Viel schlimmer aber ist, dass ich aussehe wie Gollum. Meine Augenlider sind geschwollen, sind rot und jucken. Lidschatten brauche ich im Moment nicht, meine Augen leuchten schon von ganz allein.

Die Neurodermitis habe ich seit ich 16 bin. Auf einmal fingen meine Hände an zu jucken. Überall bildeten sich kleine Bläschen. Ich konnte keine Nacht schlafen. Meine Hände waren geschwollen. Alles habe ich blutig gekratzt. Der Hausarzt dachte erst, es wäre eine Kontaktallergie, weil ich zu der Zeit viel Rad gefahren bin und meine Hände genau da rot waren, wo sie die Griffe des Lenkers berührten. Also ging ich zum Hautarzt. Der hat natürlich etliche Allergietests mit mir gemacht, bishin zu Belastungstests. Allergisch habe ich auf nichts reagiert. Eine Diagnose bekam ich auch nicht, dafür aber Cortisonsalbe.

Ich gebe zu, das Jucken hat aufgehört. Dafür wurden aus den kleinen Bläschen riesige – wie Brandblasen sahen sie aus. Ich weiß nicht, ob es an der Salbe gelegen hat. Ich habe sie von da an nie wieder genommen. Auf Empfehlung eines befreundeten Arztes bin ich dann zu einem Dermatologen in der hiesigen Uni-Klinik. Seine Diagnose: eine intrinsische Form von Neurodermitis. Das bedeutet, dass allergische Symptome bei der Auslösung der Neurodermitis hier nur eine untergeordnete Rolle spielen. Mein sogenannter Trigger ist das Wetter.

Was also tun, um der Neurodermitis entgegen zu wirken? Das Wetter kann ich nicht ändern, aber meine Lebensgewohnheiten, die einen großen Einfluss auf den Verlauf eines sogenannten Schubes haben.

1. Ernährung

Obwohl ich keinerlei Allergien habe, hilft eine gute Ernährung gegen Neurodermitis. Genaus so wie die falschen Lebensmittel die Neurodermitis im wahrsten Sinne des Wortes anfeuern. Ich muss zugeben, dass ich das viel zu lange verdrängt habe. Die liebe Ivi von www.ib-gesundheit.de hat mir zu diesem Thema schon tolle Tipps gegeben.

Ich kenne Ivi schon viele Jahre. Kennengelernt haben wir uns, als wir beide noch unsere Läden hat und uns beim Ordern der neuen Kollektionen in Berlin getroffen haben. Heute arbeitet sie als Ernährungstrainering. Ihr solltet unbedingt mal auf ihrer Seite nachlesen, wie sie dazu gekommen ist. Ihre tolle Geschichte, die zeigt, wie toll man sein Leben mit guter Ernährung und Bewegung selbst verändern und in die Hand nehmen kann.

Für den Beitrag hat Ivi ein paar tolle Anregungen zum Thema Ernährung bei Neurodermitis zusammen getragen:

Mich fasziniert schon sehr lange, was eine gesunde Ernährung ausmacht, so auch bei Neurodermitis. Weißt du, dass in Deutschland 3,5 bis 5 Millionen Menschen unter den juckenden Hautrötungen leiden – Tendenz steigend. Warum ist das so? Zum einem vermutet das eine erblich bedingte Störung des Immunsystems, die Haut und Schleimhäute überempfindlich reagieren. Der Körper hält harmlose Stoffe, z. B. Staub, für einen gefährlichen Fremdkörper und er reagiert auf sie mit einer Entzündung. Er produziert jetzt übermäßig viel Immunglobulin E. Der aktiviert sogenannte Mastzellen in der Haut, vermehrt Histamine auszuschütten. Die verstärken die Entzündung und verursachen den charakteristischen Juckreiz. Es gibt verschiedene Auslöser, auch Schlüsselreize oder „Trigger“ genannt die zum Ausbruch oder Verschlechterung der Krankheit führen, wie psychische Faktoren, Umweltfaktoren, Ernährung
Klimafaktoren, mechanische Hautirritationen, Tierhaare und Federn oder Infekte.

Einer der häufigsten Auslöser ist jedoch die Ernährung. Was kann man tun? Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass meist zur Neurodermitis eine Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Pollen- oder andere Allergien hinzukommt. Dies sollte man vorher beim Arzt abklären.
Neurodermitis ist leider nicht heilbar, dafür können Betroffene mit einigen Vorsichtsmaßnahmen ein ganz normales Leben führen – ohne oder mit ganz wenig Medikamenten.

Ab hier kommt die Ernährung ins Spiel, wo die Ernährungstherapie individuell mit dir abgestimmt wird. Ein paar Regeln gibt es, die vorher unbedingt besprochen werden müssen. Eine ausgewogene Ernährung stärkt den Körper gegen Infekte, die wiederum Schübe auslösen können. Alkohol, Kaffee und starke Gewürze sind meist problematisch, weil sie die Durchblutung der Haut steigern, was den Juckreiz verschlimmert. Auch bei schnell resorbierbarem Zucker – wie in Süßigkeiten und Weißmehlprodukten – sollte man sparsam umgehen, denn er fördert generell entzündliche Prozesse im Körper. Was ich auf alle Fälle immer mit meinen Kunden mache, ein „Schmerztagebuch“ anlegen. Das hilft uns beiden, die Lebensmittel besser zu bestimmen, die du verträgst. Denn viele machen den Fehler und lassen zu viel weg und bekommen dadurch Mangelerscheinungen, die wiederum einen neuen Schub auslösen können. Wenn du den Verlauf positiv beeinflussen willst, empfehle ich immer neben der Ernährung, regelmäßig Sport zu machen und auf Entspannung zu setzten. Neurodermitis trifft eher sensible Menschen, die keine „dicke Haut“ haben. Nicht von ungefähr heißt es: „Die Haut ist ein Spiegel der Seele“. Yoga oder autogenes Training oder ausgiebig Spaziergänge in der Natur helfen. Sei auf alle Achtsam zu dir selbst.

Wer also selbst betroffen ist, Hilfe und Tipps brauchst oder eine Auswertung vom eigenen Schmerztagebuch, der findet bei Ivi sehr gute und professionelle Hilfe.

Außerdem hat sie für den Blogpost noch das Rezept für einen köstlichen Salat herausgerückt. Ganz lieben Dank dafür.

Salat mit Linsen

ZUTATEN für den Salat (für 1 Portion als Hauptgericht):
1 handvoll Rucola
1 handvoll Feldsalat
5 Radieschen Radieschen
25 Gramm Radieschensprossen
1 handvoll rote Weintrauben
½ Avocado
etwas Zitronensaft
40 Gramm Pardina-Linsen
1 EL gehackte Petersilie

ZUTATEN für das Dressing
1 ½ TL körniger Senf
etwas Wasser

1. Rucola, Feldsalat, Radieschen und Trauben gründlich waschen und trocken tupfen bzw. schleudern. Die Radieschen in Scheiben schneiden, die Trauben halbieren. Radieschensprossen in einem Sieb abbrausen und abtropfen lassen. Alle Zutaten, außer die Sprossen, zusammen in eine Schale geben.

2. Die Avocado schälen, das Fruchtfleisch würfeln und mit etwas Zitronensaft marinieren und ebenfalls in die Schale geben.

3. Die Linsen, mit etwas Salz, nach Packungsanweisung zubereiten und auskühlen lassen.

4. Für das Dressing Wasser und Senf vermengen. Sollte es zu dick sein, gern etwas Wasser dazu geben.

5. Die erkalteten Linsen und 3/4 des Dressing in die Schale geben und vermengen. Über den Salat das restliche Dressing übergießen.
Den Salat mit Petersilie und Sprossen garnieren.

Tipp:
Nach Belieben mit 15 g Pekannüssen und 15 g getrockneten Cranberries verfeinern. Die Pekannüsse können für 5 Minuten geröstet werden, dies intensiviert den Geschmack.

Der Salat ist vegan, aber trotzdem sehr sättigend. Als Beilage reicht die Menge für ca. 2 Portionen.

1. Kosmetik

Das Wichtigste bei Neurodermitis ist eigentlich seine Haut zu verstehen. Hört sich blöd an, ist aber so.

Bei Neurodermitis-Patienten ist die Hautbarriere gestört: Die äußerste Schicht der Oberhaut ist die Hornschicht. Sie schützt den Körper vor Krankheitserregern. Bei Neurodermitis kann die Hornschicht aber ihre Schutzfunktion nicht richtig erfüllen. Ein möglicher Grund dafür ist, dass der Körper aufgrund einer Genveränderung zu wenig von dem Eiweiß Filaggrin produziert. Dieses ist wichtig für die Bildung der Oberhaut. Durch den Mangel an Filaggrin ist bei Neurodermitis-Patienten die Zusammensetzung der Hautfette verändert. Die Folge ist, dass die Haut viel Feuchtigkeit verliert und leicht austrocknet. Auf Reizstoffe, Allergieauslöser und Keime reagiert die geschädigte Haut schnell mit einer Entzündung und Juckreiz. (Quelle www.netdoktor.de/krankheiten/neurodermitis/)

Ich verwende ausschließlich Bio-Cremes und -Kosmetik und lasse an meine Haut keine Parafine. Stattdessen nehme ich Kokosöl. Das entzündungshemmende Tropenöl wirkt feuchtigkeitsspendend, ist ein Naturprodukt und kommt gänzlich ohne Chemie aus. Durch die enthaltene Laurinsäure heilt die Haut schneller. Ich trage das Kokosöl aber auf die feuchte Haut auf, da es sonst die Haut auch austrocknen kann.

3. Sofortmaßnahmen

Komplett verhindern kann ich die Schübe nicht. Gerade auf dem Augenlid nervt die Neurodermitis – nicht nur weil sie juckt sondern auch unschön aussieht.

Was immer hilft ist Heilerde. Ich gebe sie auf ein feuchtes Wattepad und lege mir dieses für 10 Minuten auf das Augenlid.

Aloe-Vera in Form von Salbe oder Gel. Die Inhaltsstoffe der Pflanze wirken juckreizstillend, entzündungshemmend und feuchtigkeitsspendend.

Ein Bad in Solesalz ist auch sehr gut für die Haut. Sie sollte aber dafür intakt sein und keine offenen Stellen haben.

Die schönste Haut habe ich übrigens im Sommer. Die UV-Strahlen der Sonne sind auch Medizin und helfen der Hautregeneration. Natürlich darf man da aber den wichtigen Sonnenschutz nicht vernachlässigen.

Habt ihr Tipps gegen Neurodermitis? Und welche Erfahrungen habt ihr mit der Erkrankung gemacht?

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1 Kommentar

  1. Oh ich fühle mit dir! Drei von vier in unserer kleinen Family haben auch Neuro (mich eingeschlossen). Sonne ist auf jeden Fall super, in Kombination mit Meeresluft noch besser. Wir haben bei Schüben super Erfahrungen gemacht mit sog. fett-feuchten Verbänden (ein Tipp vom Kinderarzt, funktioniert auch bei Erwachsenen ;-). Und ja, Ernährung und Stressreduktion spielen eine sehr wichtige Rolle. Dann wünschen wir uns mal schnell die Sonne & den Sommer her!

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