1000 Fragen an mich selbst oder Wann fange ich an, mich neu zu ordnen?

Ich erinnere mich noch genau, wie meine Mutter kurz nach ihrem 40. Geburtstag weinend am Spülbecken stand und ich sie fragte, was passiert ist. Sie erklärte mir, es wäre die Midlife-Krise. Ohje, mit 40 Jahren – das konnte ich nicht verstehen und sagte ihr, dass sie doch noch das halbe Leben vor sich hat, wenn alles gut geht. Ich war 19 und konnte mich keineswegs in die Gedanken- und Gefühlswelt meiner Mutter hinein denken.

Heute weiß ich, dass es nicht um das Alter ging. Es war die Neuordnung in ihrem Leben, die Verschiebung ihrer Prioritäten und Aufgaben.

Als ich vor ein paar Tagen den Artikel der lieben Johanna (www.pink-e-pank.de) las, in dem sie sich fragt, wer sie eigentlich ist, seit sie Mama ist, musste ich an meine Gefühle denken, die mich seit Monaten begleiten. Johanna hat den Artikel aus einer anderen Perspektive heraus geschrieben. Sie ist Mutter von zwei kleinen Kindern und bekommt in diesem Jahr noch ein Baby. Für sie geht es um die Aufgabe, selbst nicht zu kurz zu kommen und auch noch sie selbst zu bleiben, neben der wundervollen Rolle als Mutter.

Ich hatte die Gedanken und Gefühle auch oft, als die Kinder kleiner waren, als sich alles um Mäuse gedreht hat. Und heute? Heute frage ich mich, was nach der Aufgabe als Mutter kommt. Die Kinder werden immer größer und häufig sitze ich zu Hause – der Große unterwegs, die Kleine bei der Freundin – und frage mich was ich machen soll, wenn ich gerade nicht als Mutter gebraucht werden. Ich werde immer Mutter sein, aber die Aufgaben und Herausforderungen verschieben sich gerade und ich muss schneller zu mir selbst finden, als mir eigentlich lieb ist.

– Wann ist es an der Zeit, mich neu zu finden –

„Such dir ein Hobby“ kommt dann ganz schnell, wenn ich das Thema im Freundeskreis anspreche. Oder „Legt euch einen Hund zu“. Es ist nicht so, dass ich mit meiner Zeit nichts anzufangen weiß. Aber, dass nicht mehr so gebraucht werden, ist neu. Man rutsch von der Mutterrolle in die Hausfrauenrolle und das macht mich nicht glücklich.

– Mach mehr von dem, was dich glücklich macht –

Meine liebe Schwester hat mir vor ein paar Jahren, ein Bild mit diesem wunderbaren Spruch geschenkt. In vielen Lebenssituationen hat er mich schon in die richtige Richtung gelenkt. Vielleicht sollte ich einfach dem Gefühl folgen. Es kann ja sein, dass die einkehrende Ruhe im Haus auch glücklich machen kann.

Johanna hat in der Flow das wundervolle Heftchen „1000 Fragen an dich selbst“ gefunden und sich vorgenommen, diese regelmäßig zu beantworten und dazu aufgerufen, doch einfach mitzumachen. Eine tolle Idee. Ich bin dabei. Vielleicht hilft es bei der Neuordnung.

© www.pink-e-pank.de

1000 Fragen an dich selbst – #1

  1. Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal getan? Das fängt ja gut an. Ich denke, man macht viele Dinge unbewusst das erste Mal, an die man sich gar nicht erinnern kann. Aber ich war im September mit meinen Freundinen, das erste mal im Spa. So ein richtiges Wellness-Wochenende mit den Mädels.
  2. Mit wem verstehst du dich am besten? Das kann ich nicht an einem Menschen fest machen. Es gibt einige Menschen, die mich blind verstehen und ich sie auch.
  3. Worauf verwendest du viel zu viel Zeit? Immer noch mit Arbeit. Selbst wenn ich nicht am Schreibtisch sitze, rattert es im Kopf. Das muss sich dringend ändern. Aber vielleicht ist es auch das Los der Selbständigen.
  4. Über welche Witze kannst du richtig laut lachen? Über die Witze meiner Kinder. Es kommt gar nicht auf den Inhalt an. Wenn sie schon vorher grinsen, weil sie den Witz so gut finden, muss ich schon lachen.
  5. Macht es dir etwas aus, wenn du im Beisein von anderen weinen musst? Jein. Ich stehe zu meinen Gefühlen und wenn andere mich sehen, wenn ich traurig oder auch glücklich bin, finde ich das nicht schlimm. Wenn ich aber wütend bin und mich ungerecht behandelt fühle, dann soll die Tränen keiner sehen. Das muss ich mit mir selbst ausmachen
  6. Woraus besteht dein Frühstück? Aus Kaffee und einem frischen Brötchen, dass mein lieber Mann jeden Morgen für uns vom Bäcker holt.
  7. Wem hast du zuletzt einen Kuss gegeben? Meinen Kindern, heute morgen zum Abschied.
  8. In welchen Punkten gleichst du deiner Mutter? Ich weine vor Wut, wenn etwas nicht so  so funktioniert, wie ich es mir vorgstellt habe und will dann von keinem angesprochen werden. (siehe Punkt 5) Ich beruhige mich aber auch ganz schnell. Das ist unsere gemeinsame Art der Stressbewältigung.
  9. Was machst du morgens als erstes? Die Kinder wecken.
  10. Kannst du gut vorlesen? Ich glaube schon. Leider möchte das irgendwie keiner mehr.
  11. Bis zu welchem Alter hast du an den Weihnachtsmann geglaubt? Oh, das weiß ich leider ganz genau. Mein Vater hat jedes Jahr den Weihnachtsmann verpasst, weil er arbeiten musste. Zu blöd aber auch. Er kam immer dann, wenn der Weihnachtsmann gerade weg war. Er starb als ich 6 war. Danach kam auch der Weihnachtsmann nicht mehr. Und ich wusste ganz genau warum.
  12. Was möchtest du dir unbedingt mal kaufen? Ach das ändert sich immer mal. Im Moment würde ich mir gern eine gute Kamera kaufen.
  13. Welche Charaktereigenschaft hättest du gerne? Ich wäre gerne leiser. Ich erzähle immer zu viel. Und da mir das immer alle vorwerfen, würde ich mir gern einfach den Mund verbieten. Klappt leider nie, denn dann ist es gespenstisch ruhig.
  14. Was ist deine Lieblingssendung im Fernsehen? Ertappt – ich schaue tatsächlich sehr gern Shopping Queen.
  15. Wann bist du zuletzt in einem Vergnügungspark gewesen? Ich glaube irgendwann in den 90er Jahren. Es war ein Schulausflug, denn freiwillig wäre ich da nie hin gefahren.
  16. Wie alt möchtest du gerne werden? Meine Oma wird in diesem Jahr 90 und ist dabei immer noch geistig super fit und vor allem witzig. Sie ist mein großes Vorbild!
  17. An welchen Urlaub denkst du mit Wehmut zurück? An meine Reise nach Australien. Ich habe meine Freundin dort besucht. Leider war mein Mann nicht mit. Ich würde ihm unheimlich gern, dieses großartige Land einmal zeigen
  18. Wie fühlt sich Liebeskummer für dich an? Das weiß ich zum Glück nur noch aus der Erinnerung. Aber es ist auf alle Fälle sehr schmerzhaft.
  19. Hättest du lieber einen anderen Namen? Als Kind wollte ich immer anders heißen. Melanie fand ich nie besonders schön. Heute reagiere ich gar nicht, wenn mich jemand so nennt. Ich bin seit Jahren nur noch Meli oder Mele (ja mit einem L) und bin zufrieden damit.
  20. Bei welcher Gelegenheit hast du an dir selbst gezweifelt? Große und auch kleine Entscheidungen bringen immer Zweifel mit sich. Ich habe lange mit mir innerlich gehadert, ob es richtig ist, nach fast 10 Jahren unseren gut etablierten Laden zu schließen. Aber wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, schau ich nie zweifelnd zurück.

 

 

 

Vielen Dank Johanna, für die Idee und das wundervolle Bild.

Weiterlesen

Lagom – Willkommen skandinavische Lebensart

Im August schrieb „Die Welt“, Lagom sei das neue Hygge. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich das Wort Hygge schon nicht mehr hören. Auf einmal war alles hygge und so manch einer der das Wort benutzte, wusste nicht einmal wofür es steht. Pauschal wurde es mit gemütlich übersetzt und auf Duftlichter, Kissen und Papier gedruckt. Doch mit der Bedeutung im Herkunftsland des hyggeligen Lebens, haben die wenigsten sich beschäftigt. Und jetzt kommt auch noch Lagom.

Schon die Mutter von Michl aus Lönneberga antwortete auf die Frage des Vaters, wie sie die Köttbullar zubereite: „Lagom stora, lagom runda och lagom bruna“ (So groß, rund und braun, wie sie sein müssen).

Das schedische Wort Lagom (gewöhnlich „laghum“ geschrieben) stammt vom Wort lag (Gesetz; rechte Ordnung), wobei es in seiner Bedeutung nichts mit dem rechtlichen Gesetzt zu tun haben muss. Es bedeuted vielmehr „passend“, „weder zu wenig noch zu viel“ und soll die schwedische Lebensart widerspiegeln.

Aber was hat es mit dem schwedischen Lagom auf sich und was hat es mit der skandinavischen Wohlfühlart zu tun? Per Zufall stieß ich auf das gleichnamige Buch von Linnea Dunne, dass im Callwey Verlag erschienen ist. „Lagom Glücklich leben in Balance“ erklärt auf tolle Art und Weise, dass es um emotionales Wohlbefinden geht, um Zusammengehörigkeit und gemeinsame Verantwortung. Aber das Wichtigste für mich ist die Aussage über das wahre nachhaltige Glück.

Erst letztens unterhielt ich mich mit einer Freundin über Glück und muss immer wieder feststellen, wie unterschiedlich die Auffassungen und Empfindungen im Zusammenhang mit diesem Gefühl sind. Meine Glücksmomente sind die kleinen und haben, wenn ich genau darüber nachdenke, weder mit Geld noch anderen materiellen Werten zu tun. Wenn die Kinder lachen über die Wiese laufen oder gemeinsam eine Schneeballschlacht machen, dann könnte ich weinen vor Glück. Wenn ich anderen eine Freude machen oder ihnen helfen kann und sie mich dankbar in den Arm nehmen, das ist Glück. Wenn unsere Nachbarn, beide über 80, mit selbst gebackenen Plätzchen vor der Tür stehen, weil wir den Schnee vor ihrem Haus gleich mit beräumt haben, auch das ist für mich Glück. Und wenn ich genau überlege, mehr brauche ich eigentlich nicht.

Genau das ist Lagom – zufrieden sein, mit dem was man hat – genau richtig, nicht mehr und nicht weniger.

In dem Buch beschreibt die gebürtige Schwedin, das skandinavische Leben – die Gemeinschaft, die Balance zwischen Beruf- und Privatleben und die Liebe zu schönem Interior und gutem Essen.

Auch wenn ich finde, dass wir nicht immer allen Trends hinterher laufen müssen und uns sehr gern auf unsere eigene Art zu Leben besinnen dürfen, kann es nicht schaden, sich ein wenig von der Leichtigkeiten und Bescheidenheid der Skandinavier abzuschauen.

MEINE GANZ PERSÖNLICHEN LAGOM TIPPS

1. Lade Freunde zu Dir ein
Nicht ist schöner als zu einer kleinen Kaffee-Auszeit (in Schweden Fika) zusammen zu kommen, oder gemeinsam zu kochen, zu quatschen, zu lachen und auch zu diskutieren. Die gemeinsame Zeit die wir einander schenken, ist das kostbarste Geschenk.

2. Entrümpele dein Leben
Nein, du sollst die nicht von Liebgewonnenen trennen. Aber manchmal tut es gut, mal richtig auszumisten – sei es der Kleiderschrank, oder die Wohnung oder der Papierstapel. Es tut so gut, wenn man die Lieblingsstücke im Schrank wieder sieht, wenn die Wohnung wieder Luft bekommt und man besondere Stücke richtig in Szene setzen kann, wenn man sich nur mit den Dingen umgibt, die einem wirklich etwas bedeuten. Und wenn man dann mit den aussortierten Dingen anderen noch eine Freude bereiten kann, stellt sich ganz sicher das Glücksgefühl ein.

3. Zähle bis zehn
Ein tolle Kampagne in Schweden für mehr Nachhaltigkeit, die wir unbedingt übernehmen sollten. „Zähl bis zehn“ bevor du dich entscheidest, etwas Neues zu kaufen oder etwas weg zu werfen. Wahrscheinlich brauchst du das Stück, dass du gerade in den Händen hältst gar nicht wirklich, oder du kannst das alte Stück noch wunderbar reparieren und weiter verwenden.

4. Mehr Geben und Nehmen
Anderen zu Helfen ist eine wunderbares Gefühl und zahlt sich in vielerlei Hinsicht aus. Wir machen nicht nur andere Glücklich, wir bekommen es auch vielfach zurück. Einfach mal einen Kuchen backen und den Freunden vorbei bringen, dem Nachbarn helfen oder auch der Krankenschwester im Krankenhaus Danke sagen – wenn wir alle mehr für andere tun, tun auch ganz viele etwas für uns.

5. Nimm dir mehr Zeit für dich
Es beginnt mit dem pünktlichen Feierabend. Wenn Schluss ist, ist Schluss – was gibt es, was man morgen nicht auch noch genau so erledigen kann. Es geht nicht um das Aufschieben von Dingen, es geht darum sich seiner Zeit bewusst zu sein. Dein Feierabend gehört dir und deinen Lieben. Und damit du genug Zeit hast, um die Dinge zu tun, die dich glücklich machen, solltest du auf deine freie Zeit pochen. Tobe mit den Kindern durch den Park, lege dich in die warme Badewanne oder lies ein schönes Buch und du wirst sehen, dass die Arbeit am nächsten Tag viel produktiver läuft.

 

Weiterlesen